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Ankommen und Staunen

Anregungen und Förderungen, die Ihr Kind im ersten Lebenshalbjahr erhält, erweisen sich als besonders nachhaltig für alle nachfolgenden Entwicklungsschritte. In den ersten Lebensmonaten nimmt die Zeitspanne, während der Ihr Kind hellwach und aufmerksam ist, beträchtlich zu. All seine Sinne sind dann auf Empfang geschaltet, alles, was in seiner Umgebung passiert, wird wahrgenommen, abgespeichert und verarbeitet. Die Bereitschaft zu kommunizieren ist während dieser aufmerksamen Phasen besonders ausgeprägt und sollte von Ihnen genutzt werden. Von sich aus produzieren Säuglinge schon nach wenigen Monaten lautähnliche Gebilde und beginnen zu lallen – eine prächtige Gelegenheit für Sie, Ihr Baby in Lall- und Plapperdialoge zu verwickeln! Im vierten, fünften Lebensmonat beginnt Ihr Kind, nach den Dingen vor seiner Nase zu greifen – eine Chance für Sie, zum allerersten Mal mit Ihrem Kind über ein gemeinsames Referenzobjekt zu kommunizieren! Bieten Sie Ihrem Kind Objekte und Dinge an, die es nicht nur über Auge und Ohr, sondern auch über den Tast-, Geruchs- und Geschmackssinn anregen: Babys und Kleinkinder erkunden ihre Welt nämlich besonders intensiv mit ihren Nahsinnen.


Krabbeln und Begreifen


Die Fortschritte im zweiten Lebenshalbjahr sind augenscheinlich: In diesem Altersabschnitt lernen die meisten Kinder frei zu sitzen, zu krabbeln, sich aufzurichten und schließlich die ersten wackligen Schritte selbst zu gehen. Ihre Welt vergrößert sich dadurch beträchtlich! Im 6., 7. Lebensmonat versteht Ihr Kind die Zeigegeste, wodurch sich eine ganz neue Form der Kommunikation eröffnet. Jetzt können Sie Ihr Kind gezielt auf Objekte in der Umgebung aufmerksam machen und Ihr Kind kann seinerseits signalisieren, welche Dinge es attraktiv findet und womit es sich beschäftigen möchte. Durch das intensive Sich auseinandersetzen mit einem Gegenstand seiner Wahl erweitert Ihr Kind nicht nur seine Aufmerksamkeitsspanne, sondern festigt auch ganz allmählich seine inneren Vorstellungsbilder von diesem Gegenstand. Dabei fließt auch seine Art der Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Gegenstand in das Vorstellungsbild mit ein („Umgangsqualitäten“). Ein entscheidender Schritt zur Ausbildung von Begriffen! Ihr Kind kann sich dadurch zunehmend besser an die Dinge und Personen erinnern, die emotional besetzt sind („positive Anmutungsqualität“). Lassen Sie sich in der bewegten, zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres bei der gemeinsamen Erkundung der Welt möglichst oft von Ihrem Kind und seinen sich zunehmend deutlicher herauskristallisierenden Vorlieben leiten!


Laufen und Erobern

In der ersten Hälfte des zweiten Lebensjahres stehen zwei Meilensteine der kindlichen Entwicklung im Vordergrund: Ihr Kind lernt zu laufen und es beginnt zu sprechen. Laufen lernt ihr Kind in der Regel von selbst – einige früher, einige etwas später. Beim Sprechen lernen spielt dagegen die Qualität der sprachlichen Anregung, die Ihr Kind von Ihnen und ggf. außerfamiliären Bezugspersonen erhält, eine entscheidende Rolle für den Aufbau der aktiven und passiven Sprachkompetenzen. Verlassen Sie die im ersten Lebensjahr so wichtige Kleinkindsprache und baden Sie Ihr Kind in „korrekter“ Sprache. Sie können nun auch die ersten Fundamente der „literacy“ (Lesekompetenz) legen, indem Sie mit Ihrem Kind regelmäßig die magische Welt der Bilderbücher betreten. Kleinkinder erschließen sich diese Welt auf ganz unterschiedliche Weise, manche sehr aktiv, explorativ und beständig nach Neuem suchend, andere eher passiv und fragend, sich dabei von Farben und Formen leiten lassend. Geben Sie Ihrem Kind Raum zur eigenständigen Auseinandersetzung mit den im Buch gezeigten Inhalten. Seien Sie Begleiter und Moderator und ermöglichen Sie Ihrem Kind, sich auf spielerische Weise seine eigenen Fantasiewelten auszugestalten.



Sprechen und Entdecken

Gegen Ende des 2. Lebensjahres vollziehen die meisten Kinder einen Quantensprung in ihrer Entwicklung: Sie entdecken ihr eigenes ICH. Die Kinder erkennen, manchmal plötzlich, über Nacht, manchmal langsam, zögernd, während eines mehrwöchigen Prozesses, dass es sich bei ihrem Spiegelbild nicht um einen Spielkameraden, sondern um sie selbst handelt. Die immer beständiger werdende Verwendung des Personalpronomens „ich“ signalisiert, dass sich Ihr Kind zunehmend als Ausgangspunkt und Verursacher von Handlungen erlebt. Wehe, wenn dem neu entdeckten Ich bei der Verwirklichung einer geplanten Handlung jemand oder etwas im Wege steht! Emotional kann Ihr Kind so etwas noch nicht verkraften und unweigerlich kommt es zu Wutausbrüchen und Trotzanfällen, die auch noch den Alltag im 3. Lebensjahr bestimmen werden. Die Entdeckung des Ich geht mit einer zunehmenden motorischen Geschicklichkeit einher, sodass ideale Voraussetzungen für die wunderbare Welt der So-tun-Als-ob-Spiele gegeben sind. Viele Bilderbücher sind sowohl vom Inhalt als auch von der Ausstattung hervorragend geeignet, Ihrem Kind zur Seite zu stehen und Anregungen für die Ausgestaltung seiner Spielwelten zu geben.


Erzählen und Verstehen


Im Laufe des 3. Lebensjahres wird Ihr Kind zu einer richtigen, kleinen Persönlichkeit – das Kleinkind wird zum Kindergartenkind. Die notwendige, erfolgreich bewältigte Trotzphase im 3. Lebensjahr legt den Grundstein für ein differenziertes Ich-Verständnis und bereitet auch die Ablösung von der engen, emotionalen Verbundenheit mit Ihnen als Eltern vor – eine wichtige, anhaltende Entwicklungsaufgabe, die behutsam und in wechselseitiger Abstimmung erfolgen sollte. Der Wortschatz Ihres Kindes erweitert sich beträchtlich, die Sprache wird zum Hauptverständigungsmittel. Kleine Helden in Büchern und vielfältige Bildwelten sind hervorragend zum Erzählen und Sprechen geeignet und helfen so auch bei der Bewältigung der anstehenden Entwicklungsaufgaben. Schenken Sie Ihrem Kind Zutrauen in seine eigenen Kräfte und geben Sie ihm die Freiheit und die Sicherheit selbst die Welt zu erkunden. Für ein erfolgreiches, lebenslanges Lernen aus eigenem Antrieb ist es entscheidend, dass Ihr Kind Raum und Zeit hat, sich intensiv in das eigene Spiel und selbstständige Entdeckungsreisen zu versenken.


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